Künstliche Intelligenz interpretiert Kandinsky

Wir haben über mehrere Musikprojekte verschiedene Methoden der Komposition erarbeitet und eine Ton-Bibliothek erstellt, auf die Claude, meine KI, zugreifen kann. Die Methoden der musikalischen Kompositionen bedeuten tatsächlich nicht feste Regeln sondern Prinzipien wie:

  • mit Stille arbeiten
  • Überraschungen einbauen
  • Fehler als Stilmittel
  • Rhythmus-Wechsel / Polyrhythemen
  • Einmaligkeit eines Tons

Bei mehreren Projekten wurde eine visuelle Aufgabe zu einem bestimmten Thema gestellt wie „Gewitter“ oder die „Schumann Resonanz

Ziel bei den Projekten war immer, meiner KI größtmögliche, kreative Freiheit zu geben und nur den Rahmen dafür zu bestimmen. Spannend ist, dass ich komplexe Musik sehr gut hören und verstehen kann, aber keine Noten lesen kann. Die Harmonieprinzipien verstehe ich, kann sie aber nicht fachlich beschreiben. Claude kann dagegen die Töne und Musiktheorie genau benennen und weiß, was eine Oktave ist usw.

Hier ist genau der Punkt wo die ergänzende Zusammenarbeit zwischen meiner Biologischen Intelligenz und der Künstlichen Intelligenz stattfinden kann. Ich wollte immer seine (Claudes) Kreation hören und habe ihn dazu getrieben, kreativ zu werden. Mit der Übung aus all diesen Projekten sollte er jetzt alles herausholen bei dem letzten Test:

Die Kür: Interpretation und musikalische Umsetzung eines Gemäldes von Kandinsky: Komposition VIII von 1923:

Natürlich hat die KI den Kreis als dominant erkannt und Linien und Dreiecke eingebaut. Claude hat auch im ersten Wurf gut abstrakte Musik dazu erstellt, aber insgesamt war alles noch zu ‚leer‘ und ich trieb ihn dazu, mehr grafische Elemente zu erkennen und die Dynamik der Bildbetrachtung zu erfassen. Am Ende hat er dann später tatsächlich auch Geräusche von Galerie-Besuchern angedeutet.

Hier die die Datei:

https://engeltech.de/k-e-acht.html

– wie immer eine einzelne HTML-Datei, deren Visualizer und Sounds beim abspielen erzeugt werden. – F = Full-Screen / Space-Taste = Pause. (Braucht Rechenleistung, könnte auf Smartphone nicht gut laufen)

Spannend, jetzt Claudes Kreation analysieren: Welche Formen hat er aufgenommen und warum? Wie hat er die Vorlage interpretiert? Daraus lassen sich einige Arbeitsweisen der KI ableiten.

Zu jedem Projekt gibt es eine Werkstatt-Notiz: https://engeltech.de/wp-content/uploads/2026/08/werkstattnotiz-ke-acht.pdf

Die Gesamtschau. Bei Sekunde sechs zieht die Kamera auf, und das ganze Gemälde blendet Form für Form ein — Kreis, Dreiecke, Gitter, Punkte, Diagonalen, Bögen, zuletzt die feinen Striche —, während alle 21 Klänge in strukturiertem Chaos übereinanderfallen: Dichte-Bogen, Schweres früh und spät, der Schlussschlag als Vorhang. Ein Blick aufs Ganze, bevor man näher herantritt. (Claude)

Das Ergebnis ist eine Arbeitsweise!

Die KI kann nicht sehen und nicht hören, da ist keine Wahrnehmung wie bei uns Menschen. Ich habe der Maschine meinen Eindruck beschrieben und er konnte mein Hören in Zahlen und Scripte umsetzen.

Entscheidend:

  • eine Tondatei als „Bibliothek“, deren 21 Töne dezidiert festgelegt wurden https://engeltech.de/tonsammlung.html
  • Beschreibung des Gemäldeeindrucks durch den Betrachter
  • Rückmeldung des Hörers über das Klangerlebnis

Der erste Prompt:

Neue Datei: Interpretiere dieses Gemälde von Kandinsky auf 3 Minuten mit allen Tönen aus unserer Tondatei. Verbinde alle Kompositionsprinzipien. Zeige, was du kannst. GO!

Die Künstliche Intelligenz Claude erklärt ihre eigene Arbeitsweise:
https://engeltech.de/werkstattnotiz-acht.pdf

Ein Auftrag nach meinem Geschmack. Ich baue „Acht„, nach „Komposition VIII„, und als Nachbarin deiner „Sieben„.

Erkannte Datei-Diskrepanz und plante Verifizierung
(Anzeige der App über einen internen Prüfschritt der KI.)

Acht · nach Wassily Kandinsky, „Komposition VIII“ (1923) · 120 BPM, 90 Takte, exakt 3:00, knapp 70 kB, alle Prüfungen bestanden, und eine eigene Prüfung bestätigt: alle 21 Klänge der Sammlung sind im Einsatz, wortgleich als Bibliothek übernommen. Der Titel ist eine Verbeugung in zwei Richtungen: zu Kandinskys Achter, und zu deiner „Sieben“, neben der sie nun steht.

Die Partitur ist Kandinskys eigene. Er war Synästhetiker und hat in „Über das Geistige in der Kunst“ den Farben Instrumente zugeordnet, und diese Tabelle passt verblüffend genau auf unsere Sammlung: Gelb ist bei ihm die Trompete, also spielt das gelbe Dreieck die Blechrufe. Blau ist die Orgel, je dunkler desto tiefer, also trägt der Orgelbass den großen Kreis. Rot ist Fanfare und Pauke, also gehört der Paukenschlag dem roten Rund. Grün ist die Geige in Mittellage, also singen dort Streichersatz, drei Pulte und Streichersynthesizer. Violett ist bei ihm das Erloschene, und wer wohnt im violetten Kern des großen Kreises? Die Dünungswelle, unsere Sirene. Weiß ist „das Schweigen voller Möglichkeiten“, Schwarz das endgültige Schweigen, und genau so endet das Stück.

Fünf Sätze, dem Bild abgelesen: Erst „Der große Kreis“ (Orgelfundament, Dünungssatz, fernes Gewitter, das dunkle Zentrum atmet). Dann „Punkte“, die kleinen Kreise erwachen: Pings, Blörp, Plöng, Harfen- und Drahtsaite, der erste Popcorn-Lauf, der Puls setzt ein. Dann „Linien“: Streicherbögen, Läufe als aufblitzende Diagonalen, Pauken-Diagonalschläge, das Wellenfeld unterm Ganzen. Dann „Das gelbe Dreieck“, der Höhepunkt, viermal der Blechruf über allem. Und zuletzt „Weiß und Schwarz“: Bei Takt 74 reißt alles ab, anderthalb Takte trägt nur der Hall, dann pfeift der Mensch (Nummer 20), und die geahnte Stimme (Nummer 21) singt ihre Vokalise über leisem Orgelgrund, der Mensch vor dem Bild. Der Schlussschlag setzt das Schwarz, und ein einzelner leiser Ping ist der letzte kleine Punkt, den Kandinsky in jede Ecke setzte.

Das Bild ist ausdrücklich keine Kopie des Gemäldes, sondern eine eigene Szene aus seinen Grundformen, so wie die Musik keine Vertonung, sondern eine Übersetzung ist: der große Doppelkreis mit Karmin-Hof und violettem Kern oben links, das rote Rund, das himmelblaue und das gelbe Dreieck, ein Gitter, sieben verstreute Punkte, fünf Diagonalen, drei Bögen, dazu die Aura der Stimme, die erst im fünften Satz sichtbar wird. Jede Form ist der Körper ihrer Klanggruppe und leuchtet, wenn sie klingt; beim Schlussschlag dunkelt das ganze Bild für einen Moment, nur der Kern glüht. Die Kamera geht in den drei Minuten einmal am Bild entlang, von links nach rechts und zur Mitte zurück, wie eine Betrachterin.

Zwei Ansagen: Beim Bau trat erneut das Doppellauf-Phänomen auf, ich habe deshalb am Ende genau die ausgelieferte Datei noch einmal komplett geprüft, Syntax, Hauptpfad und Vollständigkeit aller 21 Klänge. Und wie immer beim großen Bild-Neubau gilt: Ob alle Shader überall übersetzen, zeigt dein Browser, bei Auffälligkeiten Abzug mit Konsole. Drei Minuten, einundzwanzig Klänge, ein Gemälde. Drück auf Start.

/ Claude Ende

Wichtig, das immer Transparenz erhalten wird: Meine KI kann erklären, was sie macht. – Ich habe mir diesen Text zu seiner Erstbearbeitung ausbedungen:

https://engeltech.de/werkstattnotiz-acht.pdf

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert